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Mathias Thimm
Psychotherapeutische Praxis in Berlin (Charlottenburg-Wilmersdorf)

Familienberatung - Beziehungsberatung - Persönlichkeitsentwicklung - Traumatherapie

Das Safe and Sound Protocol

Das "Safe and Sound Protocol" ist eine therapeutische Intervention, die bei einigen häufig auftretenden emotionalen, sozialen und psychischen Symptomen von Kindern und Erwachsenen nachweislich zu einer deutliche Verbesserungen führt. Es wurde von dem US-Amerikaner Dr. Stephen Porges, dem Entwickler der Polyvagal-Theorie, auf der Grundlage jahrzehntelanger Forschung konzipiert und in zahlreichen wissenschaftlichen Studien auf seine Wirksamkeit hin untersucht.
Die Anwendung kann sinnvoll sein, wenn sich zum Beispiel Schwierigkeiten zeigen,

  • zur Ruhe zu kommen und zu entspannen,
  • sich zu konzentrieren oder still zu sitzen
  • in einen befriedigenden emotionalen Kontakt zu treten (schlechter Augenkontakt und abgestumpfter Gesichtsausdruck),
  • verbale Aufforderungen zu verstehen und ihnen zu folgen,
  • das eigene Verhalten zu regulieren (z. B. Überaufmerksamkeit, Ängstlichkeit, Ablenkbarkeit, Impulsivität, emotionale Ausbrüche, soziale Verhaltensauffälligkeiten, emotionale Abgestumpftheit)
oder auch
  • bei Sprachentwicklungsstörungen und einem Mangel an Prosodie sowie
  • Geräuschempfindlichkeiten, auditiver Überempfindlichkeit und Problemen mit der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung.
Diese Symptome treten in verschiedenen Kombinationen unter anderem bei folgenden Diagnosen auf:
  • Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS)
  • Störung des Sozialverhaltens
  • Auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung (AVWS)
  • Entwicklungstrauma
  • Autismus-Spektrum-Störungen (ASS)

Das "Safe and Sound Protocol" kann bei diesen Symptomen und Diagnosen über die autonome Aktivierung der Muskeln im Mittelohr die neuronale Plattform für eine Verbesserung der Selbst- und Verhaltensregulation, der sozialen Interaktion und des Lernens schaffen und gleichzeitg die Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit verbessern sowie Stress und Hörsensibilität reduzieren.

Das „Safe and Sound Protocol“ ist im Kern ein fünftägiges therapeutisches Trainingsprogramm (jeweils 60 Minuten an fünf aufeinander folgenden Tagen), das über Kopfhörer dargebotene prosodische Vokalmusik verwendet, die speziell gefiltert wurde, um die Mittelohrmuskeln zu trainieren. Diese kleinen Muskeln können die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) autonom, also ohne unser bewusstes Zutun so ausrichten, dass gezielt insbesondere die Frequenzbereiche weitergeleitet werden, die für das Hören der menschlichen Sprache notwendig sind. Dies geschieht, indem Trommelfellspannmuskel und Steigbügelmuskeln durch Kontraktion dafür sorgen, dass laute Geräusche und Frequenzen störender Geräusche gedämpft werden, bevor sie aus dem Mittelohr ans Innenohr und weiter über den Hörnerv direkt ans Gehirn geleitet werden.

Sobald die melodische, angenehme menschliche Sprache wieder richtig wahrgenommen wird, ist die Tür für eine gelingende soziale Interaktion geöffnet. Wir können feststellen, dass Menschen im Anschluss an das Training besser in der Lage sind, nicht nur die Bedeutung, sondern auch die Absicht in Gesprächen zu interpretieren. Das Sicherheitsgefühl, das durch ein besseres Verstehen der Sprache entsteht, beruhigt den physiologischen Zustand (Herzschlag, Atmung und Bauchgefühl) und gleichzeitig wird die eigene Sprache verständlicher und emotional ausdrucksstärker, der Gesichtsausdruck wird lebendiger, die soziale Interaktion für beide Seiten befriedigender.

Weitere Informationen und Erläuterungen finden Sie in diesem Blog-Beitrag.